Kevin Papst Freiberuflicher Software Entwickler

Warum ich keinen Facebook Account habe

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TLDR; Facebook ist gruselig, klaut Dir viel zu viel Zeit und ist ein Datenschutz-Feind!

Anfang Q3 2016 fing ich an, mein eigenes Nutzungsverhalten bei Facebook ernsthaft zu hinterfragen. Wie viel Zeit verbringe ich bei einer Seite die mir stets scheinbare Neuigkeiten, gepaart mit Unterhaltung und schnell vergessener Kommunikation präsentiert? Für mich war die Antwort klar: viel zu viel.

Ein ungutes Gefühl spukte schon länger in meinem Kopf rum, aber ich habe das Gefühl lange Zeit ziemlich konsequent ignoriert. Kennt Ihr das: man erwischt sich dabei, wie man zum x-ten mal am Tag den Newsfeed aktualisiert, anstatt z.B. den RSS Feedreader zu öffnen, ein paar der Lieblingsseiten zu besuchen oder einen Freund anzurufen … unheimlich, wie man sich im eigenen (Surf-)Verhalten derart manipulieren lässt.

Mir hat es mißfallen und so habe ich mich fragen müssen: ist es mir das wert und was bekomme ich eigentlich als Gegenwert für meine Zeit und meine persönlichen Daten? Die Antwort war erschreckend klar: viel zu wenig! Der Algorithmus des Newsfeed von Facebook ist ein wirklich hinterlistiges und bewundernswertes Stück Software, man bekommt stets eine passende Mischung aus Updates im Bekanntenkreis, Unterhaltung und sogenannter Nachrichten – nein, das war es mir nicht wert und so habe ich mich entschlossen zunächst mal 2 Wochen Facebook-frei zu nehmen … ab dem dritten Tag habe ich nicht mehr dran gedacht und die 2 Wochen waren dann auch schnell rum. Danach habe ich mich erneut angemeldet und Stunden damit verbracht alle Daten zu löschen die ich finden konnte. Vorerst habe ich noch meinen Account und die Verbindung zu meinen engsten Freunden und Familienmitgliedern behalten und dann gemerkt, das ich mich dann doch wieder mehrfach angemeldet habe – ich will ja nicht Suchtgefahr schreiben, aber es hat Anflüge davon.

Also habe ich den letzten Schritt in Angriff genommen, meinen Account final zu löschen. Der Anlass war aber nicht nur die verschwendete Zeit die ich dort verbracht habe, sondern auch ein paar weitere Punkte die für mich noch relevanter waren:

  • Ich stehe hinter den Ideen eines freien Internets und Facebook ist in meinen Augen einer der schlimmsten Gegner des freien Internet, den ich momentan sehe
  • Facebook gehört mittlerweile für viele Seiten zu den größten Traffic Lieferanten überhaupt und gefährdet damit massiv das Konzept des „ursprünglichen“ Internets
  • Die digitale Invasion von Facebook (Statistiken z.B. via brandwatch.com) in allen Länder und Bevölkerungsgruppen der Welt und die damit verbundene Manipulationsgefahr von mehreren hundert Millionen Menschen
  • Datenschutz und Privatspähre gibt es nicht, vielmehr werden Deine Daten zu viel mehr als nur Werbezwecken verwendet
  • Der WhatsApp Abgleich von Benutzerdaten & Kontakten mit Facebook, trotz des Versprechens seitens Facebook (zum Zeitpunkt der WhatsApp Übernahme) dies nicht durchzuführen

Der letzte Punkte, der Abgleich von Facebook und WhatsApp Profilen war für mich der ausschlaggebende Grund und ist in meinen Augen ein Vergehen, das man keinem börsennotierten Unternehmen durchgehen lassen darf. In meinen Augen einer der größten, nicht von Geheimdiensten initiierten Datenschutzskandale der gesamten Menschheitsgeschichte.

Seit 2008 war ich bei Facebook angemeldet, viel Zeit also um größere Mengen persönlicher Daten in Facebook zu hinterlassen. Ich kann es jedem Leser nur empfehlen sich die Daten mal genauer anzusehen, die Facebook über Euch gesammelt hat; kontrolliert welche Werbeinteressen Euch zugeordnet sind, welche Likes ihr gesetzt habt, welche Videos angesehen, welche Kommentare geschrieben, auf welchen Bildern ihr markiert wurdet, welche Chats geführt wurden, welche Kontakte („Freunde“) eigentlich völlig überflüssig sind, welche persönlichen Interessen ihr habt … die Liste ist sehr lang.

Ich habe dieses Spektakel mitgemacht, denn der automatischen Löschfunktion traue ich noch weniger als der manuellen, und es hat mehrere Stunden gedauert alles zu entfernen. Dabei war ich der Typ „stiller Mitleser“, gepostet habe ich äußerst selten. Wenn ich mir da andere Profile anschaue, Menschen die mehrfach pro Tag aktiv sind – da kann es ein echter Kraftakt werden diese Daten alle zu löschen, fangt also lieber rechtzeitig an!

Alle persönlichen Daten bei Facebook zu löschen kann Stunden dauern. Fangt lieber frühzeitig damit an Eure Historie aufzuräumen!

Facebook Konto löschen

Als erstes will ich mal erwähnen, das man 14 Tage Zeit hat sein Konto wieder zu reaktivieren, auch wenn der Löschprozess einem versucht hier etwas anderes zu vermitteln. Ihr könnt den Prozess also völlig gefahrlos mal selber durchspielen.

Und wie löscht man nun sein Facebook Konto?

  1. Besucht die Facebook Account Löschen Seite
  2. Nun müsst Ihr Euch erneut anmelden
  3. Rückfrage Nummer 1 „Mein Konto löschen“ bestätigen – hier wird noch offensichtlich seitens Facebook gelogen. Die Warnung „Denke daran, dass du dein Konto weder reaktivieren noch die von dir hinzugefügten Informationen oder Inhalte erneut abrufen kannst“ ist eine angststiftende Lüge seitens Facebook. Man kann sich noch 14 Tage lang einloggen und hat währenddessen jederzeit die Möglichkeit sein Konto wieder komplett herzustellen!
  4. Ein PopUp mit Passwort und Captcha Schutz öffnet sich und die Rückfrage „Konto dauerhaft löschen“ bestätigen
  5. Man bekommt ein Feedback, das man doch 14 Tage Zeit hat sein Konto wieder zu reaktivieren
  6. GESCHAFFT!

Meldet man sich nun erneut an, dann sieht man eine Nachricht, dass das Konto zur Löschung vorgemerkt ist und man die Löschung abbrechen kann – na, wer erinnert sich an Punkt 3?

Bilde Dir selbst eine Meinung. Wie wichtig ist Dir Facebook und wieviel bezahlst Du und wir alle dafür? Der einzige Weg Facebook an weiterem Einfluß zu hindern, besteht darin seinen Account zu löschen.

Über den Autor

Kevin

Ich bin ein Tech Geek & Developer der Generation C64, begeistere mich für Open Source Software, lese gerne Bücher, springe aus Flugzeugen, halte die Luft beim Apnoetauchen an, hebe beim Kraftsport schwere Sachen hoch und übe seit Jahren das bloggen ... mehr erfahren

2 Kommentare

  • Erfrischend geschrieben. Seit 2006 habe ich Facebook insgesamt 11 Mal komplett verlassen und mein Profil jeweils gelöscht nur um später meine Meinung ändern zu dürfen und ein neues Konto aufzumachen. Das Problem ist die Alternativlosigkeit.

    • Hahaha, „ich kann total leicht mit dem Rauchen aufhören, hab es schon dutzende male geschafft“ 😉
      Die Blockade ist tatsächlich nicht immer leicht, weil es so viele als selbstverständliche Kommunikationsplattform nutzen. Aber die wirklich relevanten Infos bekommt man auch anders – von der gewonnenen Zeit (die man ohne FB mehr hat) will ich gar nicht erst sprechen. Bisher bin ich glücklich ohne Rückfall.

Von Kevin
Kevin Papst Freiberuflicher Software Entwickler

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